
Wissenschaft
Ausgabe 43, September 2011
Editorial
«Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung» erklärt Wikipedia. Da stellt sich die Frage: Welches Wissen wird denn genau erweitert? Welches Wissen schafft die Wissenschaft, ist es jenes objektive und fortschrittliche, das sie sich zu erweitern als Ideal gesetzt hat? Welche Mittel und Methoden werden eingesetzt und wo endet sie, die Wissenschaft – beziehungsweise was fängt dort an? Und sowieso: Wer zitiert denn eigentlich Wissen aus einem nicht-wissenschaftlichen Lexikon in einer universitären Zeitschrift? Wir haben uns in dieser Ausgabe an eine Thematik herangewagt, die bei einer Zeitschrift für Geschlechterforschung stets eine implizite Selbstverständlichkeit darstellt, aber kaum je kritisch reflektiert wird. Die Wissenschaft präsentiert sich gerne als objektive Instanz, die die Realität beobachtet und erklärt; dass sie dabei oftmals selbst zum Erschaffen von «Realitäten» beiträgt, erläutert Svenja Matusall, die in ihrem Artikel sexistische Narrative der Hirnforschung aufzeigt. Sexismus, wenn nicht sogar Frauenfeindlichkeit, wird auch Nietzsche oftmals vorgeworfen; Jasmine Keller will es aber genauer wissen und begibt sich auf die Suche nach den Weiblichkeitskonzepten in seiner fröhlichen Wissenschaft. Fabian Saner beschäftigt sich in seinem Artikel mit den beiden zeitgenössischen WissenschaftstheoretikerInnen Latour und Haraway, indem er ihren Machtkonzeptionen nachgeht und auf Ähnlichkeiten und Unterschiede hin untersucht. Eine juristische Perspektive bringt Ingrid Jent-Sørensen ein, sie setzt sich in ihrem Text mit Lücken im Gesetz auseinander und erläutert am Beispiel von Transsexualität, wie im Zweifelsfall die bipolare Geschlechterordnung als (unbewusstes) Kriterium dient. Nicht unwissenschaftlich geht’s auch im Beitragsteil weiter, wo sich Christa Kappler mit der Feminisierung des Primarlehrerberufs auseinandersetzt; und Sarah Guidi gibt Einblick in die Geschichte der Zürcher Kinderhorte. Und wie das so üblich ist, bei (wissenschaftlichen) Texten – der persönliche Rück- und Ausblick zum Schluss: Wir verabschieden und bedanken uns bei Babette Bürgi, Eneia Dragomir und Fabian Saner, und heissen neu Ly Vuong und Christiane Forstnig in der Redaktion herzlich willkommen.
Eure ROSA-Redaktion
