09.10.2012
Die Zeitschrift für Geschlechterforschung
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Kunststoff

Ausgabe 45, September 2012

Editorial

Wir wagen uns an die Kunst und an den Stoff. Und den Kunststoff. Ehrlich – das Wort «Kunststoff» kann so weit gefasst werden, dass wir gar nicht erst anfangen uns zu entschuldigen, wie wenig wir in dieses Heft packen konnten. Stattdessen präsentieren wir voller Stolz die ganze Breite von Themen, die wir abdecken: Jasmine Keller untersucht (neue) Männlichkeitsbilder in frisch interpretierten alten Märchenstoffen. Nina Sobhani hingegen konzentriert sich auf den Musiker und Gewichtheber Rummelsnuff, dessen bis zur Künstlichkeit veränderter Körper mehr diskutiert wird als seine Musik. Traditionelle Stoffe – insbesondere das schweizerische «Bauernhemd» und dessen junge Geschichte – werden von Tobias Scheidegger Faden für Faden auseinandergenommen. Mit ganz anderen Stoffen beschäftigt sich Homayun Sobhani. In seinem Artikel wird die Verbundenheit von Rausch, Melancholie und einem bestimmten Männlichkeitsbild hervorgehoben. Beim Thema «Kunststoff» darf Donna Haraways Cyborg nicht fehlen, mit welcher sich Bianca Westermann in ihrem Artikel beschäftigt. Die typische Hausfrau ist ein Konstrukt der 1950er Jahre, Macarena García Gonzáles zeigt auf, wie es sich in populären Darstellungen (nicht) verändert hat. Vor sechs Jahren haben Rebecca Niederhauser und Helene Mühlestein für die ROSA 32 einen Artikel zu Tupperware geschrieben. Da wir ihn so passend für das Thema «Kunststoff» fanden, haben wir ihn in dieser Ausgabe noch einmal abgedruckt. Die «Kunst» in «Kunststoff» wird durch die Gedichte und Kurzgeschichten betont, die ihr über das ganze Heft verteilt findet, und ebenso durch die von der ganzen Redaktion heiss geliebten Bilder von Sarah Maple in der Mitte des Heftes und dem wunderbaren Mutter-Tochter-Werk von Sylvia Birkhahn und Jasmine Keller, das sie extra für das Thema unseres Heftes an- und hergestellt haben. Für den einzigen Beitrag dieser Ausgabe hat sich Sabina Reich das Theaterstück «Frauenbewegung ja, aber rhythmisch» angesehen. Wir verabschieden uns von Karen Jent, Karin Lohrer und Ly Vuong und bedanken uns ganz herzlich für ihren tollen Einsatz! Neu begrüssen dürfen wir dafür Susanne Maner und Nina Sobhani.

Eure ROSA-Redaktion